Wann Glücksspiel gewerblich wird: die Grenze zwischen Freizeitspiel und Berufsspieler

Ein Gewinn am Roulettetisch löst in Deutschland beim Freizeitspieler keine Einkommensteuer aus. Der Grund dafür liegt in einer Frage, die mit Glücksspiel zunächst wenig zu tun hat. Sie lautet, wofür jemand dieses Geld eigentlich bekommt.
Solange die Antwort im Kern Zufall heißt, fehlt dem Einkommensteuerrecht der Anknüpfungspunkt, den es braucht. Verschiebt sich die Antwort, verschiebt sich auch die Beurteilung. Wo genau dieser Punkt liegt, ist an mehreren Stellen ungeklärt, und ausgerechnet dazu kursieren die konkretesten Zahlen.
Drei Fälle, drei kurze Antworten
Für Freizeitspieler ist die Lage in Deutschland unaufgeregt. Gewinne aus Glücksspiel gehören nicht zu den Einkunftsarten, die das Einkommensteuerrecht kennt, weil ihnen die Gegenleistung fehlt. Wer im Jahresurlaub in der Spielbank gewinnt oder abends ein paar Runden dreht, hat deshalb keine Erklärungspflicht für den Gewinn selbst.
Schwierig wird es bei Spielen mit Geschicklichkeitsanteil, allen voran Poker. Dort verschiebt sich das Gewicht zwischen Zufall und Können über viele Hände hinweg, und damit wackelt das Argument, auf dem die Steuerfreiheit steht. Eine Grenze, die sich in einer Zahl ausdrücken ließe, gibt es dafür nicht.
Ein davon vollständig getrennter Fall sind Einnahmen aus Reichweite. Wer streamt, wirbt oder Kunden vermittelt, bekommt Geld für eine Tätigkeit, und dafür gelten die üblichen Regeln. Bet24Now gehört selbst in diese Gruppe, was wir weiter unten offenlegen.
Warum die Zufallsabhängigkeit das ganze Gebäude trägt
Das deutsche Einkommensteuerrecht besteuert keine Vermögenszuwächse als solche. Es besteuert Einkünfte aus einer begrenzten Zahl von Quellen, etwa aus nichtselbständiger Arbeit, aus Gewerbebetrieb, aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung. Was sich in keine dieser Quellen einordnen lässt, bleibt außen vor, auch wenn es das Konto sichtbar füllt.
Ein Spielgewinn lässt sich in keine dieser Quellen einordnen. Der Spieler hat nichts geliefert, wofür der Betrag die Vergütung wäre. Er hat einen Einsatz riskiert, und über den Ausgang hat ein Mechanismus entschieden, auf den er keinen Einfluss nimmt. Juristisch formuliert fehlt es am Leistungsaustausch: Es gibt keine Leistung, der die Zahlung gegenübersteht. Aus dieser einen Feststellung folgt der gesamte Rest, den wir im Grundlagentext zum Versteuern von Online-Casino-Gewinnen ausführlicher aufgeschlüsselt haben.
Die Kehrseite: Verluste zählen ebenfalls nicht
Diese Begründung wirkt in beide Richtungen. Weil der Gewinn keine steuerbare Einkunft ist, existiert auch keine Einkunftsart, gegen die sich Verluste rechnen ließen. Einsätze sind keine Werbungskosten. Die Anreise zu einem Turnier ist keine Betriebsausgabe. Ein Jahr, in dem unter dem Strich ein deutliches Minus steht, hat steuerlich schlicht nicht stattgefunden.
Damit sieht die Steuerfreiheit weniger großzügig aus, als sie klingt. Sie ist keine Vergünstigung für Spieler. Sie beschreibt einen Vorgang, der außerhalb des Systems liegt, und außerhalb liegt er in beide Richtungen. Wer diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, ist auch gegen die Vorstellung immun, ein Berufsspieler-Status wäre steuerlich vor allem ein Vorteil.
Der Staat verdient trotzdem, nur an anderer Stelle
Auf der Anbieterseite greift der Fiskus sehr wohl zu. Wer in Deutschland virtuelle Automatenspiele oder Online-Poker mit Erlaubnis anbietet, zahlt darauf eine eigene Steuer, die an den Einsätzen der Spieler ansetzt. Wie diese Abgabe gerechnet wird und warum sie indirekt bis in die Auszahlungsquoten hineinreicht, steht im Beitrag zur Glücksspielsteuer. An deiner eigenen Steuererklärung ändert das nichts, es ist eine andere Ebene desselben Vorgangs.
Was der Gewinn danach tut, ist ein eigener Vorgang
Steuerfrei ist der Zufluss. Alles, was das Geld anschließend erwirtschaftet, wird behandelt wie bei jedem anderen Vermögen auch. Zinsen auf dem Tagesgeldkonto sind Kapitalerträge. Dividenden aus einem Depot sind Kapitalerträge. Mieteinnahmen aus einer gekauften Wohnung sind Einkünfte aus Vermietung. Die Herkunft des eingesetzten Geldes färbt nicht auf die Erträge ab, die es später abwirft.
Praktisch relevanter ist eine andere Folge. Ein größerer Betrag, der auf einem Girokonto eingeht, kann eine Rückfrage der Bank auslösen. Das ist keine steuerliche Prüfung, sondern gehört zu den Pflichten, die Kreditinstitute im Rahmen der Geldwäscheprävention treffen. Wer den Auszahlungsbeleg und die Spielhistorie zur Hand hat, kann die Frage nach der Herkunft belegen.
Poker ist die Stelle, an der die Begründung reibt
Die gesamte Konstruktion hängt an einem Satz: Der Spieler kann den Ausgang nicht beeinflussen. Bei Roulette, Baccarat oder einem virtuellen Automatenspiel trifft dieser Satz zu. Beim Poker trifft er nur teilweise zu, und über diesen Teil wird seit Langem gestritten.
Wer beim Poker die Wahrscheinlichkeiten beherrscht, das Setzverhalten der Gegner einordnet und die eigenen Einsätze danach steuert, verschiebt sein Ergebnis über viele Hände hinweg in eine Richtung. Der Zufall bleibt in jeder einzelnen Hand bestimmend, verliert über die Menge der Hände aber an Gewicht. Damit steht die Frage im Raum, ob hier noch jemand sein Glück versucht oder bereits eine Fähigkeit einsetzt, um planbar Geld zu verdienen. Wie stark dieser Könnensanteil ausfällt und woran er hängt, beschreibt unser Überblick zum Online-Poker.
Die Frage ist Gegenstand von Rechtsprechung und steuerrechtlicher Fachliteratur. Einzelne Entscheidungen zitieren wir hier bewusst nicht, weil jede von ihnen einen konkreten Sachverhalt betrifft und sich daraus keine allgemeine Regel ableiten lässt, die sich in einem Satz zusammenfassen ließe. Die Einordnung wird am Einzelfall vorgenommen, und die Merkmale, an denen sie sich orientiert, stammen aus dem allgemeinen Begriff des Gewerbebetriebs. Sie sind nicht für Pokerspieler erfunden worden, sie werden auf sie angewendet.
Die Merkmale, um die es in der Diskussion geht
Vier Merkmale tauchen in dieser Debatte immer wieder auf. Keines davon trägt die Entscheidung allein, und keines lässt sich in eine Zahl übersetzen. Sie beschreiben Richtungen, in die ein Gesamtbild kippen kann.
| Merkmal | Worauf es zielt | Warum es beim Poker umstritten ist |
|---|---|---|
| Planmäßigkeit | Handelt jemand nach einem Konzept oder nach Gelegenheit? | Bankroll-Regeln, Tischauswahl und Auswertung eigener Hände sind Kennzeichen eines Konzepts, gehören bei ambitionierten Freizeitspielern aber ebenso dazu. |
| Nachhaltigkeit | Ist die Tätigkeit auf Wiederholung angelegt oder ein einmaliger Vorgang? | Wer jahrelang regelmäßig spielt, erfüllt das Merkmal leicht, ohne damit schon etwas über die Absicht dahinter zu sagen. |
| Umfang | Welchen Raum nimmt die Tätigkeit an Zeit, Mitteln und Aufmerksamkeit ein? | Hier wird gern nach Schwellenwerten gesucht. Es gibt keine, weder in Stunden noch in Beträgen. |
| Auftreten am Markt | Tritt jemand nach außen als Anbieter einer Leistung auf? | Der strittigste Punkt: Ob Mitspieler an einem Pokertisch einen Markt bilden, auf dem jemand seine Fähigkeit anbietet, wird unterschiedlich beurteilt. |
Hinzu kommt die Gewinnerzielungsabsicht. Sie klingt selbstverständlich, weil niemand spielt, um zu verlieren. Gemeint ist damit allerdings etwas Engeres: die Absicht, über die Dauer der Tätigkeit einen Überschuss zu erwirtschaften, und zwar erkennbar am Vorgehen und nicht nur an der Hoffnung. Wer jedes Jahr Verluste macht und weiterspielt, erfüllt dieses Merkmal schwerer als jemand, der sein Vorgehen an Ergebnissen ausrichtet und Verlustquellen abstellt.
Warum es keine Zahl gibt, ab der es kippt
Es gibt keine Stundenzahl, ab der aus Freizeit Beruf wird. Es gibt keine Gewinnsumme, die eine Grenze markiert, und keinen Zähler für Turnierteilnahmen. Wer eine solche Zahl präsentiert bekommt, sollte nach der Quelle dafür fragen und nachsehen, ob sie die Zahl tatsächlich hergibt.
Diese Unbestimmtheit ist unbefriedigend und hat trotzdem einen nachvollziehbaren Grund. Ein fester Schwellenwert wäre eine Einladung, knapp darunter zu bleiben. Eine Beurteilung am Gesamtbild lässt sich schwerer vorhersagen und deshalb schwerer umgehen. Für den einzelnen Spieler bedeutet das, dass er die Frage im Zweifelsfall nicht selbst beantworten kann, auch wenn er sich noch so gründlich einliest.
Ähnliche Überlegungen tauchen bei Sportwetten auf, wenn jemand systematisch Quotenunterschiede zwischen Anbietern ausnutzt. Auch dort fehlt eine klare Linie, und auch dort stellt sich die Frage erst bei einem Umfang, den ein Gelegenheitswetter nicht erreicht. Wer im privaten Kreis Karten spielt, bewegt sich zusätzlich in einer ordnungsrechtlichen Frage, die mit Steuern nichts zu tun hat; darum geht es im Beitrag zum privaten Glücksspiel.
Geld mit Glücksspiel verdienen, ohne zu spielen
Der zweite Strang hat mit Zufall nichts zu tun und wird deshalb auch anders behandelt. Wer über Glücksspiel Reichweite aufbaut und diese Reichweite zu Geld macht, erzielt Einnahmen aus einer Tätigkeit. Ob das Publikum dabei Walzen zusieht oder Kochrezepten, ändert an der steuerlichen Grundfrage nichts.
Streamer führen zwei Dinge auf einem Konto zusammen
Ein Streamer spielt und sendet gleichzeitig. Sein Spielergebnis bleibt ein Spielergebnis mit allem, was oben dazu steht. Seine Einnahmen aus Abonnements, Werbeplätzen, Sponsoring oder Partnerprogrammen sind Vergütung für die Sendung. Beides landet auf demselben Konto und ist steuerlich getrennt zu betrachten.
Unübersichtlich wird es an den Stellen, an denen sich die beiden Ströme berühren. Was gilt, wenn das Spielguthaben vom Anbieter gestellt wird? Was gilt, wenn Verluste erstattet werden oder wenn die Vergütung an die Höhe der gezeigten Einsätze gekoppelt ist? Ob ein solcher Betrag noch Spieleinsatz ist oder bereits Teil der Vergütung, lässt sich allgemein nicht beantworten. Es hängt an der konkreten Vereinbarung, und wer solche Vereinbarungen unterschreibt, sollte sie vorher steuerlich prüfen lassen.
Warum wir das hier offenlegen
Bet24Now steht auf derselben Seite dieser Grenze wie die Streamer. Diese Seite verdient Geld, wenn Leser über unsere Links bei einem Casino landen und dort spielen. Das ist eine Vermittlungsleistung mit einer Vergütung, also eine Tätigkeit mit Einnahmen, die mit Zufall nichts zu tun haben. Wie diese Vergütung zustande kommt, steht im Affiliate-Hinweis, und wie das Geschäftsmodell hinter solchen Seiten insgesamt funktioniert, im Branchenblick auf Casino-Affiliates.
Wir schreiben das nicht aus Bescheidenheit hin. Ein Text über die Grenze zwischen Zufallseinnahme und Tätigkeit, der verschweigt, auf welcher Seite sein Autor selbst steht, macht es dem Leser schwerer als nötig. Die Offenlegung gehört hier inhaltlich dazu und ist kein Pflichtsatz am Rand.
Ab wann du die Einordnung besser abgibst
Für den Alltag ist eine andere Frage nützlicher als die nach dem Etikett. Sie lautet, ab wann es sich lohnt, jemanden einzuschalten, der die Einordnung beurteilen darf. Die folgenden Anhaltspunkte sind keine Schwellen und keine Prüfliste. Sie beschreiben eine Lage, in der eine Selbsteinschätzung riskant wird.
- Die Einnahmen aus dem Spiel tragen einen erkennbaren Teil deines Lebensunterhalts.
- Du führst Aufzeichnungen, um dein Spiel zu verbessern, und richtest deinen Tagesablauf danach.
- Du trittst nach außen als Spieler auf, etwa mit Sponsoring, Antrittsgeldern oder einem Namen, unter dem du bekannt bist.
- Zum Spiel kommen Einnahmen aus Reichweite hinzu, sei es aus Streams, Videos oder Vermittlung.
- Du bewegst Beträge in einer Größenordnung, bei der Bank oder Finanzamt von sich aus nachfragen könnten.
Keiner dieser Punkte entscheidet für sich. Zusammengenommen beschreiben sie jemanden, für den ein Irrtum rückwirkend teuer werden kann, weil eine geänderte Einordnung nicht erst ab dem Tag der Erkenntnis gilt.
Was ein Berater und was das Finanzamt beitragen können
Ein Steuerberater ordnet den Sachverhalt ein und übernimmt dafür Verantwortung. Das ist der wesentliche Unterschied zu jeder Recherche im Netz, diesen Text eingeschlossen. Für einen geplanten, noch nicht verwirklichten Sachverhalt gibt es zusätzlich die verbindliche Auskunft des Finanzamts. Sie wird auf Antrag erteilt, kann Gebühren auslösen und soll die Behörde anschließend an ihre eigene Auskunft binden. Für jemanden, der vor der Entscheidung steht, das Spielen zur Haupteinnahmequelle zu machen, ist das das schärfste verfügbare Werkzeug.
Unabhängig von der Einordnung hilft eine nachvollziehbare Dokumentation. Kontoauszüge, exportierte Spielhistorien und Auszahlungsbelege beantworten die Frage nach der Herkunft eines Betrags schneller und glaubwürdiger als eine Erinnerung. Wer sie erst zusammensucht, wenn gefragt wird, sucht Jahre zurück und teils bei Anbietern, die es in dieser Form nicht mehr gibt.
Der deutsche Rahmen begrenzt, wie viel eigenes Geld überhaupt hineinfließt
Zur Einordnung gehört ein Punkt, der neben der Steuerfrage zu liegen scheint. Bei den in Deutschland erlaubten Online-Angeboten begrenzt das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro im Monat, wie viel eigenes Geld ein Spieler dort überhaupt einzahlen kann; die Details dazu und die Frage, unter welchen Bedingungen ein höheres Limit möglich ist, stehen im Beitrag zum Einzahlungslimit im Online-Casino. In der Spielbank vor Ort oder bei einem Live-Turnier greift dieses Limit nicht.
Daraus folgt eine Beobachtung, die für die steuerliche Frage nebensächlich klingt und es nicht ist. Wer online Beträge in einer Größenordnung bewegt, bei der sich die Frage nach der Gewerblichkeit ernsthaft stellt, sollte deshalb auch klären, in welchem Rahmen er dort eigentlich spielt. Neben der Steuerfrage steht dann eine zweite im Raum, nämlich die nach der Zulässigkeit des genutzten Angebots. Zwei offene Fragen gleichzeitig sind ein guter Grund, die Sache nicht allein mit sich auszumachen.
Wenn Berufsspieler das falsche Wort für das Problem ist
Es gibt einen zweiten Grund, warum Menschen über den Begriff Berufsspieler nachdenken, und er hat mit Steuern nichts zu tun. Der Gedanke taucht auch dann auf, wenn das Spielen längst sehr viel Platz eingenommen hat. Er klingt nach einem Plan und beschreibt gelegentlich eine Lage, für die das Wort nur die freundlichere Bezeichnung ist.
Von außen sind die beiden Fälle am selben Satz nicht zu unterscheiden. Unterscheidbar werden sie an dem, was um den Satz herum passiert. Wenn Verluste zurückgeholt werden sollen, wenn Einsätze vor Partnern oder Freunden verschwiegen werden, wenn Zeit oder Geld an anderer Stelle spürbar fehlen, dann ist die steuerliche Frage die kleinere von beiden. Woran sich das noch festmachen lässt, haben wir im Text zu den Anzeichen einer Spielsucht zusammengetragen.
Wir stellen hier keine Diagnose und können das auch nicht. Was sich sagen lässt: Die Steuerfrage lässt sich mit einem Termin klären, und sie läuft nicht weg. Die andere Frage löst sich mit Warten nicht.
Die kostenlose und anonyme Beratung der BZgA ist unter 0800 1 37 27 00 erreichbar, Informationen und Selbsttests stehen auf buwei.de. Wer einen härteren Schnitt braucht, kann sich über OASIS, die bundesweite Sperrdatei, selbst sperren lassen; der Ablauf steht im Beitrag zur OASIS-Spielersperre. Für Menschen im Umfeld eines Spielers gibt es den Text für Angehörige, weil eine solche Lage nicht nur den Spieler betrifft.
Offene Fragen zur Abgrenzung
Muss ich einen Casinogewinn in der Steuererklärung angeben?
Beim Freizeitspieler entsteht durch einen Glücksspielgewinn grundsätzlich keine Einkommensteuer, weil der Gewinn keine Gegenleistung für eine Tätigkeit ist. Eine eigene Zeile für Spielgewinne gibt es in der Erklärung deshalb nicht. Das heißt allerdings nicht, dass der Betrag nirgends auftaucht. Sobald du das Geld anlegst, sind die Erträge daraus normale Kapitaleinkünfte, und wenn größere Summen auf deinem Konto eingehen, kann deine Bank nach der Herkunft fragen. Für den eigenen Fall ist steuerlicher Rat die richtige Adresse, kein Ratgebertext.
Ich habe im vergangenen Jahr deutlich mehr verloren als gewonnen. Kann ich diese Verluste steuerlich geltend machen?
Für Glücksspielverluste sieht das Einkommensteuerrecht keinen Abzugsweg vor, und das hängt unmittelbar mit der Steuerfreiheit der Gewinne zusammen. Wo keine steuerbare Einkunftsart entsteht, gibt es auch keine, gegen die sich etwas rechnen ließe. Diese Asymmetrie wirkt unfair, und sie ist es aus Sicht des Betroffenen auch. Ändern ließe sie sich kaum, ohne die Steuerfreiheit gleich mit aufzugeben. Wenn die Verluste eine Größenordnung erreicht haben, die dich beschäftigt, ist das im Übrigen weniger eine Steuerfrage als ein Anlass, das eigene Spielverhalten anzusehen.
Ab welcher Gewinnsumme gilt ein Spieler als gewerblich?
Eine solche Summe gibt es nicht. Weder eine Gewinnhöhe noch eine Zahl gespielter Stunden, Hände oder Turniere macht aus einem Freizeitspieler automatisch einen Gewerbetreibenden. Beurteilt wird ein Gesamtbild aus mehreren Merkmalen, unter anderem Planmäßigkeit, Nachhaltigkeit, Umfang der Tätigkeit und Auftreten am Markt. Hinzu kommt, dass diese Beurteilung rückblickend für einen abgelaufenen Zeitraum erfolgt und nicht im Voraus. Eine Zahl, an der du dich vorher ausrichten könntest, gäbe es also selbst dann nicht, wenn eine Schwelle existierte.
Ich spiele seit zwei Jahren fast täglich Online-Poker und bestreite inzwischen einen Teil meines Lebensunterhalts damit. Bin ich damit automatisch gewerblich?
Automatisch ist daran nichts, aber in genau dieser Konstellation wird die Einordnung schwierig. Regelmäßigkeit über einen längeren Zeitraum, planvolles Vorgehen und Einnahmen, die den Lebensunterhalt mittragen, sind Merkmale, die in der Diskussion eine Rolle spielen. Ob sie im konkreten Fall ausreichen, entscheidet niemand nach Gefühl und am wenigsten der Spieler selbst. Wer in dieser Lage ist, sollte einen Steuerberater einschalten, bevor das Finanzamt die Frage von sich aus stellt.
Warum wird ausgerechnet Poker steuerlich anders diskutiert als Roulette oder Spielautomaten?
Weil beim Poker gegen andere Spieler gespielt wird und nicht gegen einen Zufallsmechanismus. Wer die Entscheidungen seiner Gegner besser einschätzt als sie seine, hat über eine große Zahl von Händen einen Vorteil, den es am Roulettetisch oder am virtuellen Automaten nicht gibt. An diesem Unterschied setzt die steuerliche Diskussion an: Sie fragt, ob ein Ergebnis, das jemand durch Können mitbestimmt, noch wie ein reiner Zufallsgewinn behandelt werden kann. Für Roulette und virtuelle Automatenspiele stellt sich die Frage gar nicht erst.
Ich streame meine Casino-Sessions und bekomme Geld über ein Partnerprogramm. Ist das steuerlich dasselbe wie ein Spielgewinn?
Nein, das sind zwei getrennte Vorgänge. Was du über Werbung, Sponsoring oder Vermittlung einnimmst, bekommst du für eine Leistung: Reichweite, Aufmerksamkeit, vermittelte Kunden. Zufall spielt dabei keine Rolle, und damit fällt die Begründung weg, die einen Spielgewinn steuerfrei stellt. Solche Einnahmen sind wie andere Einnahmen aus einer Tätigkeit zu behandeln, mit allem, was daran hängt: Anmeldung, Aufzeichnungen, Umsatzsteuerfrage. Wer damit anfängt, sollte das von Beginn an sauber aufsetzen.
Mein Gewinn liegt auf einem Tagesgeldkonto und wirft Zinsen ab. Ändert das etwas an der Steuerfreiheit?
An der Steuerfreiheit des Gewinns selbst ändert es nichts. Die Zinsen gehören zu einem anderen Vorgang: Sie sind Ertrag aus angelegtem Kapital, und dieser Ertrag wird unabhängig davon behandelt, woher das angelegte Geld stammt. Ein geerbtes, ein erspartes und ein gewonnenes Guthaben stehen dabei gleich. Praktisch siehst du den Unterschied daran, dass deine Bank die Erträge in der Jahressteuerbescheinigung ausweist, den Spielgewinn selbst aber nirgends.
Ich denke in letzter Zeit oft darüber nach, ob ich vom Spielen leben könnte. Ist das eine Steuerfrage?
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Der Gedanke taucht bei jemandem auf, der nüchtern eine Einnahmequelle prüft, und er taucht bei jemandem auf, für den das Spielen längst mehr Raum einnimmt, als ihm lieb ist. Ein brauchbarer Selbsttest ist die Frage, was du mit der Antwort machst, wenn sie Nein lautet. Wer sie erleichtert zur Kenntnis nimmt, hat gerechnet. Wer nach Gründen sucht, warum die Rechnung doch aufgehen könnte, sollte sich diesen Impuls genauer ansehen. Die Beratung der BZgA ist kostenlos und anonym unter 0800 1 37 27 00 erreichbar.